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Asiatische Meister

Die Inschriften von König Wu | Aus dem Li Gi nach R. Wilhelm

Die 17 Inschriften nach König Wu

Als der König die Worte des Scharlachbuches vernommen hatte, da erschrak er und ward bedenklich; er zog sich zurück und machte Warungssprüche.

Auf die vier Ecken seiner Matte schrieb er eine Inschrift, auf seinen Tisch schrieb er eine Inschrift, auf seinen Spiegel schrieb er eine Inschrift, auf seine Waschschüssel schrieb er eine Inschrift, an die Säulen schrieb er eine Inschrift, an seinen Stab schrieb er eine Inschrift, an seinen Gürtel schrieb er eine Inschrift, an seine Schuhe schrieb er eine Inschrift,  an seine Becher und Schüsseln schrieb er eine Inschrift, an seine Tür schrieb er eine Inschrift, an sein Fenster schrieb er eine Inschrift, an sein Schwert schrieb er eine Inschrift, an seinen Bogen schrieb er eine Inschrift, an seinen Sperr schrieb er eine Inschrift.

  1. Die Inschrift an der vorderen linken Ecke seiner Matte hieß: In Sicherheit und Freude sei stets vorsichtig.
  2. Die Inschrift an der vorderen rechten Ecke hieß: Tu nichts, das du bereuen musst.
  3. Die Inschrift an der hinteren linken Ecke hieß: Auch wenn du dich rückwärts und seitwärts wendest, sollst du dich nicht vergessen.
  4. Die Inschrift an der hinteren rechten Ecke hieß: Der Spiegel ist nicht fern, schau, was das Nahe bedeutet.
  5. Die Inschrift des Tisches hieß: Erhaben sei dir die Sorgfalt, der Mund kann Schmach erzeugen, der Mund kann den Mund verletzen.
  6. Die Inschrift des Spiegels hieß: Du siehst, was vor dir ist; bedenke, was hinter dir ist.
  7. Die Inschrift der Waschschüssel lautete: Lieber ertrinken in Meerestiefe als ertrinken in Menschen. Ertrinkst du in Meerestiefen, kannst du dich durch Schwimmen retten; ertrinkst du in Menschen, so gibt es keine Rettung.
  8. Die Inschrift der Säulen hieß: Sag nicht: was macht es, sonst kommt das Unheil her; sag nicht: was schadet es, sonst droht das Unheil sehr; sag nicht: was tut es, sonst droht das Unheil schwer.
  9. Die Inschrift des Stabes hieß: Was bringt Gefahr? Die Übertragung des Zorns. Wodurch verliert man den Weg? Durch Genuss und Lüste. Wo verirrt man sich? In Reichtum und Ehren.
  10. Die Inschrift des Gürtels hieß: Feuer zerstört das schönste Gesicht. Darum vergiss Achtung und Mäßigkeit nicht. Achtung lässt zu hohem Alter kommen.
  11. Die Inschrift der Schuhe hieß: Vorsicht in Mühsal, Mühsal macht reich.
  12. Die Inschrift der Becher und Schüsseln hieß: Sorg, dass nach dem Mahl du selber noch stehen kannst. Sorg das nach dem Mahl du selber noch gehen kannst. Hüt sich vor Hochmut, Hochmut bringt Unmut!
  13. Die Inschrift der Tür hieß: Der Name ist schwer zu erlangen und leicht zu verlieren. Ohne Eifer und Vorsatz sagst du: Ich weiß schon. Ohne Eifer und Vorsatz sagst du: Ich kann´s schon, und gerätst dadurch in den Schlamm. Wenn der Wind aufkommt, rüttelt er erst an der Tür. Da kann dann ein Weiser auch nichts mehr daran ändern.
  14. Die Inschrift des Fensters hieß: Folge stets des Himmels Zeiten, nütze stets der Erde Gaben! Ehre opfernd du dem Himmel, fastend erst die Zeit erwartend!
  15. Die Inschrift des Schwertes hieß: Trag es zur Wehr, brauch es zur Ehr! Ehrlich bringt Siegen, ehrlos Unterliegen.
  16. Die Inschrift des Bogens hieß: Bald ist er schlaff und bald gespannt, bald kommt die Not, bald kommt das Glück. Vergiss nie deine eigene Schuld.
  17. Die Inschrift des Speers hieß: Mach einen Sperr, mach einen Sperr, doch bedenke: Eines Augenblickes Jähzorn kann das ganze Leben schänden.

Dies habe ich vernommen, um damit Söhne und Enkel späterer Geschlechter zu warnen.


Dieser Tet stammt aus dem Li Gi – dem Buch der Riten, Sitten und Gebräuche. Die Übersetzung von Richard Wilhelm ist hier verfügbar:

Li Gi: Das Buch der Riten, Sitten und Gebräuche (Fernöstliche Klassiker)

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